OV-101 "Enterprise" — Entwicklung und Bau
Nachdem am 26. Juli 1972 durch Präsident Nixon der offizielle Startschuß
zu diesem völlig neuen und ambitionierten, technischen Projekt
gegeben wurde, dauerte es bis zum 04. Juni 1974, bis mit dem Bau der
ersten Komponenten des Prototyps begonnen wurde. Bereits am 12. März
1976 war der Zusammenbau des OV-101 abgeschlossen. Roll-Out und Taufe
auf den Namen "Enterprise" erfolgte am 17. September 1976,
der Transport per Tieflader zum DFRC/Edwards AFB am 31. Januar 1977.
Nach kurzer Vorbereitungszeit schloß sich eine Testserie der NASA
an, die aus vier Phasen bestand:
1.) Taxi-Tests:
Diese Phase diente zur Überprüfung des Zusammenspiels
aller Flugzeug- und Shuttle-Systeme sowie des Brems- und Lenkverhaltens
der SCA/Shuttle-Kombination bis zur Startgeschwindigkeit. Die "Enterprise"
war dabei unbemannt.
2.) Captive-Inert-Flights:
In dieser Phase wurde im Flug allgemeines Flugverhalten, Stabilität,
Kontrollierbarkeit und Schwingungsverhalten der SCA/Shuttle-Kombination
in verschiedenen Geschwindigkeitsbereichen und Höhen erflogen.
Auch in dieser Phase verhielt sich die "Enterprise" als passive
Nutzlast, da sie unbemannt war.
3.) Captive-Active-Flights:
Bei den drei Flügen dieser Phase war erstmalig eine zweiköpfige
Crew an Bord der "Enterprise". Während der Flüge
wurden sämtliche elektische, elektronische und hydraulische Systeme
des OV-101 aktiviert und getestet. Zudem wurden die Prozeduren und Abläufe
für die nachfolgenden „Abwürfe“ vom Shuttle Carrier
Aircraft festgelegt.
4.) Free-Flights:

Die "Enterprise" im Anflug
auf die Edwards AFB Die ersten drei Freiflüge der
"Enterprise" wurden zur Sicherheit noch mit der stromlinienförmigen
Heckverkleidung geflogen. Diese als "Tailcone" bezeichnete
Heckverkleidung wird nach wie vor für Orbiter-Überführungsflüge
eingesetzt. Sie sorgt für eine bessere Flugeigenschaften der SCA/Orbiterkombination.
Für die letzten beiden Flüge wurde diese Verkleidung entfernt,
um so einen echten Endanflug eines Orbiters bei der Rückkehr aus
der Erdumlaufbahn zur Edwards AFB zu simulieren. Ohne die Heckverkleidung
verdoppelte sich ungefähr die Sinkrate der "Enterprise".
Diese Flüge dienten zur letztendlichen Überprüfung und
Freigabe des Fluggerätes bei Flügen im Unterschallbereich
und Test aller integrierter Systeme sowie der Möglichkeit einer
automatischen oder pilotierten Landung.
Crews
OV-101 "Enterprise": Astronauten Fred Haise und Gordon Fullerton
sowie Joe Engle und Richard Truly
Shuttle Carrier Aircraft: Die Piloten Fitzhugh Fulton, Thomas C. McMurtry
mit den Flug-Ingenieuren Louis Guidry und Victor Horton
Tests mit der "Enterprise" — in Florida und
Kalifornien

Zwei Jahre vor "Columbia":
"Enterprise" auf LC39A Nach Abschluß
dieser Testreihe wurde die "Enterprise" am 10. April 1979
mit dem SCA in das Kennedy Space Center, Florida, überführt.
Dort wurde das OV-101 dazu benutzt, um sämtliche Maßnahmen
und Prozeduren, die bis zum Start eines Space Shuttle erforderlich sein
würden, zu überprüfen und zu üben: Vorbereitung
des Orbiters auf den Flug, Montage mit dem Außentank und den Feststoff-Starthilfsraketen,
Fixierung auf der mobilen Startplattform und Verbindung mit den technischen
Einrichtungen auf den ehemaligen Apollo-Startrampen. Anfang der 1980er
Jahre wurde der Shuttle-Prototyp dazu benutzt, ähnliche Verfikationstests
am Startkomplex "SLC-6" der Vandenberg Air Force Base in Kalifornien
durchzuführen.
Die "Enterprise" heute — ein Museums-Exponat
Am 18. November 1985 wurde die "Enterprise" nach Washington
D.C. überführt und der Smithonain Instutution übergeben.
Jahrelang war sie in der Paul E. Garber Facility (nahe Washington/DC),
der Außenstelle des National Air & Space Museums, der Öffentlichkeit
kaum zugänglich eingelagert. Seit 2003 ist die "Mutter aller
Shuttles" im neu errichteten Steven F. Udvar-Hazy Center am Washingtoner
Dulles International Airport neben vielen anderen Exponaten der Luftfahrtgeschichte
zu bestaunen.
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